Zukunftsfrage für die Industrie: Fachkräfte dringend gesucht

Arbeitsplätze zu vergeben, aber keine geeigneten Bewerber in Sicht – ein Problem, vor dem zahlreiche Unternehmen vor allem in industriestarken Regionen stehen. Und es wird größer.

Die Corona-Pandemie bestimmt seit fast zwei Jahren das Leben und Arbeiten. Unübersehbar, dominierend, allgegenwärtig ist sie ein Thema, an dem man nicht vorbeikommt. Und eines, das ablenkt. Denn es gibt noch andere Herausforderungen, die für den Wirtschaftsstandort kaum weniger drängend sind. Acht von zehn Unternehmen haben Schwierigkeiten bei Stellenbesetzungen im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Corona hat den Mangel an Fachkräften weiter verschärft.

Berufsorientierung massiv ausbauen

Die Bewerbungen für Lehrstellen in der Industrie schwächeln, es zeichnet sich im Moment sogar ein Rückgang gegenüber 2020/21 ab. Das hat Gründe, die vermeidbar wären. Einerseits herrscht aufgrund der nach wie vor unsicheren Corona-Lage Zurückhaltung bei fixen Entscheidungen für Ausbildungen – man bleibt lieber im „sicheren Hafen“ Schule. Andererseits kann man sich durch die diversen pandemiebedingten Einschränkungen schwerer ein Bild machen – Schnuppertage und Lehrlingsmessen sind dünner gesät als normalerweise. Die Industrie plädiert daher dafür, neben den individuellen Schnuppermöglichkeiten auch die Berufsorientierungsveranstaltungen an den Schulen so bald als möglich nicht nur wieder aufzunehmen, sondern verstärkt anzubieten – natürlich unter maximalen Sicherheitsvorkehrungen. Ziel muss es sein, jungen Menschen auch trotz Corona ein Maximum an Orientierungsmöglichkeiten zu erhalten. Unabhängig von der Pandemiesituation muss die in den Lehrplänen verankerte Bildungs- und Berufsorientierung auch tatsächlich für alle Zehn- bis 14-Jährigen umgesetzt werden.

Fachkräfte Fixpunkt auf IV-Agenda

Tatsache bleibt jedoch: Die „Skills“-Entwicklung in Österreich hat Lücken – trotz umfangreicher Forschung und eines vielseitigen Aus- und Weiterbildungssystems. Die Industrie empfiehlt daher eine neu zu errichtende Stelle – ein „Skills Development Austria“ –, die Forschungsergebnisse in konkrete Empfehlungen überträgt, die Ministerien, Länder und Bildungsträger gezielt bei Entscheidungen unterstützt. Gerade das kann ein wichtiger Baustein einer Gesamtstrategie zu Fachkräfte- und Arbeitskräfteentwicklung sein, wie sie vonseiten der Bundesregierung dringend benötigt wird. Seitens der IV wird es in den kommenden Monaten daher umfangreiche Aktivitäten zum Thema Fachkräfte geben – vom medialen Fokus, dem Vernetzen potenzieller Lehrlinge und Unternehmen, dem Austausch mit interessierten Partnern über mögliche Ausbildungspartnerschaften mit Drittländern bis hin zu einem HTL-Roundtable. Denn sicher ist: Die Herausforderung Fachkräftemangel ist – alleine schon wegen der demografischen Entwicklung – die entscheidende Zukunftsfrage.